28.10.2026, von Jonas Rauen

Pendeln: Was kostet uns der tägliche Arbeitsweg?

Für Millionen Menschen hierzulande gehört der Arbeitsweg zum Alltag. Ob mit dem Auto, Zug, Bus, Velo oder zu Fuss: Wer regelmässig pendelt, investiert nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Dabei ist die günstigste und praktischste Lösung nicht für alle dieselbe. Ein Vergleich lohnt sich, denn neben dem Preis spielen auch Zeit, Komfort, Flexibilität und Umweltbelastung eine wichtige Rolle.

 

3,7 Millionen Menschen pendeln zur Arbeit
Die Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS) zeigen, wie selbstverständlich das Pendeln für die Schweizer Bevölkerung geworden ist. 2024 waren rund 3,7 Millionen Menschen Arbeitspendler. Das entspricht etwa acht von zehn Erwerbstätigen. Rund 71 Prozent arbeiteten dabei ausserhalb ihrer Wohngemeinde. Im Durchschnitt legten Pendler pro Arbeitsweg 14 Kilometer zurück und benötigten dafür rund 30 Minuten. Damit kommen bei einem klassischen Arbeitsweg schnell mehrere hundert Stunden und Tausende Kilometer pro Jahr zusammen. Die Wahl des Verkehrsmittels kann deshalb einen erheblichen Unterschied machen, nicht nur für das Portemonnaie, sondern auch für den persönlichen Alltag.

Das Auto: flexibel, aber mit hohen Gesamtkosten
Das Auto bietet beim Pendeln einen entscheidenden Vorteil: Es bringt seine Nutzer meist direkt von zu Hause zum Arbeitsplatz. Gerade bei Arbeitsplätzen ausserhalb der Zentren, bei unregelmässigen Arbeitszeiten oder wenn unterwegs Kinder oder Einkäufe transportiert werden müssen, kann diese Flexibilität entscheidend sein. Allerdings werden die tatsächlichen Kosten des Autos häufig unterschätzt. Neben Treibstoff oder Strom fallen unter anderem Wertverlust, Versicherung, Steuern, Wartung, Reifen und Reparaturen an. Hinzu kommen, je nach Arbeitsplatz, Parkgebühren. Bei einem bereits vorhandenen Auto darf allerdings nicht der gesamte Kilometerpreis automatisch als zusätzlich anfallen der Pendelaufwand verstanden werden. Ein grosser Teil der Fixkosten fällt auch dann an, wenn das Fahrzeug weniger gefahren wird. Für eine persönliche Entscheidung sollte deshalb zwischen den tatsächlichen Zusatzkosten des Pendelns und den gesamten Kosten der Fahrzeugnutzung unterschieden werden.

Der öffentliche Verkehr: weniger flexibel, dafür planbarer
2022 nutzten knapp ein Drittel der Arbeitspendler, rund 29 Prozent, den öffentlichen Verkehr als Hauptverkehrsmittel. 16 Prozent fuhren dabei hauptsächlich mit dem Zug. Das Auto blieb mit 50 Prozent zwar das meistgenutzte Verkehrsmittel, doch der öffentliche Verkehr spielt insbesondere auf längeren Strecken zwischen Städten und Agglomerationen eine wichtige Rolle. Weitere 18 Prozent gingen zu Fuss oder fuhren mit dem Velo zur Arbeit. Der grösste Vorteil des ÖV liegt für viele Pendler darin, dass sich die Reisezeit anders nutzen lässt. Im Zug kann man beispielsweise lesen, arbeiten oder entspannen. Gleichzeitig entfällt die Parkplatzsuche, und man ist weniger unmittelbar vom Strassenverkehr abhängig. Dafür ist man an Fahrpläne und Verbindungen gebunden. Verspätungen, überfüllte Züge oder schlechte Verbindungen zu den Stosszeiten können den Arbeitsweg erschweren. Auch bei den Kosten gibt es grosse Unterschiede. Entscheidend ist, ob ein Einzelbillett, ein Halbtax, ein Streckenabo, ein Verbundabo oder ein GA am besten zur persönlichen Situation passt. Dies muss allerdings individuell bestimmt werden. Das GA für Erwachsene kostet aktuell noch 3’995 Franken pro Jahr in der 2. Klasse, ab Dezember 2026 werden es 4’095 Franken sein. Das entspricht bei jährlicher Zahlung rund 333, bzw. 341,25 Franken pro Monat. Ein GA lohnt sich allerdings nicht automatisch für jeden Pendler. Wer nur eine bestimmte Strecke regelmässig zurücklegt, fährt mit einem Strecken- oder Verbundabo unter Umständen günstiger. Der Pendelrechner der SBB kann dabei helfen, die Kosten für Auto und ÖV auf der persönlichen Strecke gegenüberzustellen.

Ein konkreter Preisvergleich
Online finden sich mehrere Preisvergleichsrechner, mit denen sich die Kosten einer mit dem Auto zurückgelegten Pendelstrecke mit den Kosten des öffentlichen Verkehrs vergleichen lassen. Wir haben uns den Rechner der SBB näher angesehen und modellhaft einige Pendelstrecken verglichen.

1. Beispiel: Zürich – Bern
Ein gängiges Beispiel für eine Pendelstrecke dürfte die Verbindung von Zürich nach Bern sein, die auch von Mitarbeitern unseres Büros genutzt wird. Der Einfachheit halber gehen wir von einem Wohnort in Zürich, einem Arbeitsplatz in der Berner Innenstadt und einem Beschäftigungsgrad von 50 Prozent aus. Die einfache Strecke beträgt dabei etwa 120 Kilometer. Für Bern wird ein Stellplatz im Parkhaus angenommen. Für die Autofahrt rechnen wir mit einem Kilometerkostensatz von 0.71 Franken. Pro Jahr ergeben sich dadurch Kosten von 23’664 Franken mit dem Auto. Mit dem Zug wären es 3’995 Franken, entsprechend dem Preis eines GA. Neben einer möglichen Ersparnis von 19’669 Franken pro Jahr lassen sich mit dem öffentlichen Verkehr zudem rund 5’096 Kilogramm CO2 einsparen.

2. Beispiel: Münsingen – Bern
Dieses Beispiel bezieht sich auf die zuvor erwähnte durchschnittliche Entfernung von rund 14 Kilometern pro Arbeitsweg. Wir rechnen mit einem Beschäftigungsgrad von 100 Prozent, diesmal ohne Parkplatzkosten in Bern und mit einem Kilometerkostensatz von 0.71 Franken für das Auto. Unter diesen Umständen ergeben sich jährliche Kosten von 4’374 Franken mit dem Auto und 1’476 Franken mit dem entsprechenden lokalen ÖV-Abo. Die CO2-Ersparnis beträgt jährlich rund 1’189 Kilogramm. Zur Einordnung muss festgehalten werden, dass sich diese Werte den individuellen Kosten nur annähern. Einige Faktoren, wie etwa die genauen Betriebskosten des Fahrzeugs, wurden nicht im Detail berücksichtigt. Dennoch zeigen die Beispiele, dass mit der Nutzung des öffentlichen Verkehrs eine deutliche finanzielle Ersparnis möglich sein kann.

Zeit ist ebenfalls ein Kostenfaktor
Beim Pendeln geht es allerdings nicht nur um Geld. Wer täglich eine Stunde für den Hin- und Rückweg benötigt, verbringt bei 220 Arbeitstagen rund 220 Stunden pro Jahr im Arbeitsverkehr. Das entspricht mehr als neun vollen Tagen. Hier kann das Auto je nach Strecke im Vorteil sein, muss es aber nicht. Während der Autofahrt ist die Möglichkeit zur sinnvollen Nutzung der Reisezeit stark eingeschränkt. Wer mit dem Zug fährt, kann die Zeit hingegen zum Lesen, Arbeiten oder Entspannen nutzen. Auf der anderen Seite können Umstiege oder ein längerer Fussweg zum Bahnhof die gesamte Reisezeit verlängern. Für Konsumenten lohnt es sich deshalb, nicht nur die reine Fahrzeit, sondern die gesamte «Tür-zu-Tür»-Reisezeit zu vergleichen.

Velo und E-Bike: günstig und gesund
Für kürzere Arbeitswege sind Velo und E-Bike interessante Alternativen. Sie verursachen im Vergleich zu Auto und ÖV geringe laufende Kosten und ermöglichen gleichzeitig Bewegung im Alltag. Besonders E-Bikes können dabei eine Lücke zwischen Velo und motorisiertem Verkehr schliessen. Sie eignen sich auch für längere Strecken oder hügelige Arbeitswege, bei denen ein normales Fahrrad weniger attraktiv ist.
Der Nachteil: Wetter, Topografie und Infrastruktur setzen Grenzen. Wer beispielsweise entlang einer stark befahrenen Strasse ohne Veloinfrastruktur pendeln muss, dürfte sich nicht jeden Tag für das Velo entscheiden wollen. Auch Schneefall dürfte für viele, wenn auch nicht für alle begeisterten Velofahrer ein Hindernis sein.

Umwelt: Nicht jedes Auto ist gleich
Auch aus ökologischer Sicht unterscheiden sich die Verkehrsmittel deutlich. Der öffentliche Verkehr kann insbesondere bei gut ausgelasteten Verbindungen eine emissionsarme Alternative zum motorisierten Individualverkehr darstellen. Das BFS weist zudem darauf hin, dass das Auto den Personenverkehr weiterhin stark prägt. Wer auf das Auto angewiesen ist, kann mit einem sparsamen Fahrzeug oder einem Elektroauto den Energieverbrauch und die direkten Emissionen reduzieren. Allerdings bedeutet ein Elektroauto nicht, dass die Mobilität kostenlos oder vollständig umweltneutral wird: Auch Elektrofahrzeuge verursachen beispielsweise durch ihre Herstellung, die Reifen und den Betrieb Kosten und Umweltwirkungen. Noch wirkungsvoller ist es häufig, die Anzahl der Autofahrten zu reduzieren. Fahrgemeinschaften, Homeoffice oder die Kombination verschiedener Verkehrsmittel können hier interessante Lösungen sein.

Die praktischste Lösung ist oft eine Kombination
Für viele Pendler muss die Entscheidung nicht zwingend «Auto oder ÖV» lauten. Park-and-Ride, Velo und Zug oder eine Kombination aus Auto und öffentlichem Verkehr können je nach Strecke sinnvoll sein. Auch einzelne Homeoffice-Tage können die jährlichen Pendelkosten und die aufgewendete Zeit deutlich reduzieren. Wer beispielsweise zwei Tage pro Woche im Homeoffice arbeitet, muss entsprechend weniger häufig zur Arbeitsstelle fahren. Das kann nicht nur die Kosten senken, sondern auch den persönlichen Zeitaufwand und die Belastung durch den Arbeitsverkehr reduzieren. Was sollten Pendlerinnen und Pendler vergleichen? Bevor man sich für ein Verkehrsmittel entscheidet, lohnt sich eine persönliche Rechnung. Dabei sollten folgende Punkte berücksichtigt werden:
• Gesamtkosten: Nicht nur Treibstoff oder Billette, sondern beim Auto auch Versicherung, Steuern, Wertverlust, Wartung und Reifen.
• Parkkosten: Ein günstiges Auto kann durch hohe Parkplatzkosten am Arbeitsort schnell teurer werden.
• Reisezeit: Entscheidend ist die gesamte Strecke von Tür zu Tür.
• Flexibilität: Wie wichtig sind spontane Abfahrten, Umwege oder Fahrten ausserhalb der üblichen Arbeitszeiten?
• Komfort: Kann die Reisezeit genutzt werden oder muss man sich auf den Verkehr konzentrieren?
• Umwelt: Wie viele Kilometer lassen sich vermeiden oder mit einem emissionsärmeren Verkehrsmittel zurücklegen?
• Homeoffice: Jeder nicht gefahrene Arbeitsweg spart Zeit und Geld.
• Abonnemente: Beim ÖV lohnt sich ein Vergleich zwischen Einzelbillett, Halbtax, Streckenabo, Verbundabo und GA.

Fazit: Der persönliche Arbeitsweg entscheidet
Die Schweiz ist ein Pendlerland: Rund 3,7 Millionen Menschen machen sich regelmässig auf den Weg zur Arbeit. Das Auto punktet mit Flexibilität und direkter Verbindung, ist bei einer Vollkostenrechnung aber häufig teurer, als es auf den ersten Blick scheint. Der ÖV ist planbarer und ermöglicht eine andere Nutzung der Reisezeit, ist aber von Fahrplan, Strecke und Tarif abhängig. Velo und E-Bike können auf kürzeren Distanzen eine günstige und um weltfreundliche Alternative sein. Für Konsumenten gibt es deshalb nicht das eine «beste» Verkehrsmittel. Entscheidend ist vielmehr, die tatsächlichen Gesamtkosten und die gesamte Reisezeit der eigenen Strecke zu berechnen. Wer verschiedene Varianten vergleicht und dabei auch Homeoffice, Fahrgemeinschaften oder kombinierte Mobilität berücksichtigt, kann unter Umständen mehrere Tausend Franken und viel Zeit pro Jahr sparen.

 

Jonas Rauen
Konsumentenforum kf