Ernährungsinitiative NEIN – gesunde Ernährung JA
Die Ernährungsinitiative beschäftigt sich mit einem bedeutsamen Thema: gesunde Ernährung ist wichtig! Allerdings geht es bei dieser Volksinitiative nur zum Teil um die Ernährung selbst. Sie zielt darauf ab, dass der Selbstversorgungsgrad der Schweiz innerhalb von 10 Jahren von heute rund 45 % auf 70 % erhöht wird. Die Antwort des Bundesrates auf diesen Vorschlag ist klar: Dieses Ziel ist selbst mit teurer Planwirtschaft, mit drastischen Vorschriften an die Konsumenten bei der Wahl des Essens und weiteren massiven staatlichen Eingriffen nicht realisierbar, und schon gar nicht innerhalb der geforderten 10 Jahre nach einer allfälligen Annahme der Initiative.
Die Stossrichtung der Initiative ist gut – sie schiesst einfach deutlich übers Ziel hinaus. Natürlich ist es richtig, wenn wir nicht zu viel Fleisch essen. Für gesunde erwachsene Personen kann vegane Ernährung sogar sinnvoll sein, es braucht dann aber unbedingt gezielte Nahrungszusätze wie Vitamin B12, Jod, Omega-3-Fettsäuren, Eisen und Calcium. Bei Kindern ist vegane Ernährung sehr anspruchsvoll und muss von ärztlicher Seite begleitet werden – es ist nicht verboten, kann aber gefährlich sein, gerade wenn wichtige Supplemente nicht gegeben werden. Deshalb empfiehlt die Schweizerische Gesellschaft für Pädiatrie eine ausgewogene, vielfältige und abwechslungsreiche Ernährung. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) schreibt in seiner Broschüre explizit: «Spätestens im siebten Lebensmonat sollte Ihr Kind Fleisch erhalten, damit es ausreichend mit Eisen versorgt wird.» Aus einer freisinnig-liberalen Sicht stehe ich dafür ein, dass Bildung betreffend gesunder Ernährung entscheidend ist, dass wir aber in einer aufgeklärten Welt als Erwachsene selbst entscheiden dürfen, was ins Trinkglas und auf den Teller kommt.
Auch beim sauberen Trinkwasser spricht die Initiative ein wesentliches Thema an, bei welchem definitiv noch Handlungsbedarf besteht. Immerhin muss die Schweizer Landwirtschaft schon heute einige Vorgaben erfüllen, um Umwelt, Biodiversität und Trinkwasser zu schützen, so beispielsweise beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Dünger. Und auch hier gilt es, Augenmass zu bewahren und sorgfältig abzuwägen, wie weit zusätzliche Vorschriften und Regulierungen lediglich mehr Bürokratie bedeuten und wie weit sie wirklich sinnvoll sind, weil sie einen echten Beitrag zur Verbesserung der Umwelt leisten.
Kurz gesagt: Die Ernährungsinitiative spricht ein wichtiges Thema an, ist aber leider unrealistisch konzipiert. Deshalb haben der Bundesrat, der Ständerat und der Nationalrat einstimmig empfohlen, die Initiative abzulehnen – auch ich empfehle Ihnen, dies zu tun.
Dr. med. Bettina Balmer
Fachärztin für Kinderchirurgie FMH
Nationalrätin (FDP)