12.05.2026, von Ruth Dickenscheid

Ein Leben auf Pump – wenn das Geld nicht mehr reicht

Mit den steigenden Fixkosten müssen immer mehr Menschen auf Luxusgüter wie Auswärtsessengehen, ein neues Auto, neue Elektrogeräte, den neuesten Lippenstift für 80 CHF oder Ferien verzichten. Manchen gelingt dieser Verzicht besser als anderen, denn diese Dinge gehören für viele einfach dazu, oder?

 

Nein, die Realität sieht oft ganz anders aus. Viele Familien, aber auch alleinstehende Personen müssen ihren Gürtel immer enger schnallen und können ihr Geld nicht für das neueste «Must-have» aus dem Fenster werfen. Doch genau dieser Überkonsum wird durch die sozialen Medien noch befeuert. Es wird suggeriert, dass diese Luxusgüter völlig alltäglich sind. Man kann es jedoch niemandem verübeln, wenn er oder sie das als selbstverständlich ansieht, wenn die Lieblings-Influencerin gerade zum dritten Mal in diesem Jahr in die Ferien gefahren ist und zwanzig verschiedene Farben des neuesten Lippenstifts kauft.

Doch nicht nur die sozialen Medien erwecken den Anschein, alles besitzen zu können oder sogar zu müssen. Neben dem altbekannten Autoleasing locken nun auch unsere Detailhändler mit dem Geschäft «Jetzt kaufen und später bezahlen». MediaMarkt, Livique, Fust, Lumimart, Christ, Interdiscount und viele weitere bieten Konsumenten Kreditkarten mit flexiblen Abzahlungsmöglichkeiten an. Diese Flexibilität ist natürlich nicht zinsfrei. Bei der Shopping Card von MediaMarkt werden beispielsweise die aktuell zulässigen Höchstzinsen von 11,9 % p. a. auf den ausstehenden Rechnungsbetrag erhoben. Die Karten können innerhalb weniger Minuten über das OnlineFormular beantragt werden. Mit den steigenden Fixkosten müssen immer mehr Menschen auf Luxusgüter wie Auswärtsessengehen, ein neues Auto, neue Elektrogeräte, den neuesten Lippenstift für 80 CHF oder Ferien verzichten. Manchen gelingt dieser Verzicht besser als anderen, denn diese Dinge gehören für viele einfach dazu, oder?

Laut dem Bundesamt für Statistik (BFS) ist diese Zahlungsmethode der zweithäufigste Grund für einen Schuldenfall. Im Jahr 2023 wiesen 5,7 % der Schweizer Bevölkerung Zahlungsrückstände bei Kreditrückzahlungen oder Kreditkartenrechnungen auf. Deutlich häufiger von Schulden betroffen sind Personen, die von materieller und sozialer Benachteiligung betroffen sind.

Auch wenn man sich freiwillig für das Kreditkartenangebot eines Detailhändlers entscheidet, sind sich viele der weitreichenden Konsequenzen nicht bewusst. Die Karten locken mit vermeintlicher Einfachheit und Flexibilität und verleiten dazu, Anschaffungen wie Handys oder Fernseher sofort zu tätigen, ohne darüber nachzudenken, ob es nicht sinnvoller wäre, noch zu warten und das Geld dafür anzusparen. Was kurzfristig entlastet, kann langfristig zur finanziellen Belastung werden.

 

Ruth Dickenscheid
Schweizerisches Konsumentenforum kf