31.08.2026, von Schweizerisches Konsumentenforum

«Durchschlafen»: Was Werbeversprechen von Tee wirklich können

Immunschutz, besserer Schlaf oder Hilfe bei Verdauungsproblemen: Tees mit grossen Versprechen füllen die Regale. Doch – Spoiler! – die halten nicht, was sie versprechen. Uwe Knop, evidenzbasierter Ernährungswissenschaftler, der fundierte Orientierung für selbstbestimmte Ernährungsentscheidungen bietet, ordnet ein.

 

In den Regalen grosser Handelsketten finden sich Tees mit klangvollen Namen: «Immunschutz», «Hormonbalance» oder «Durchschlafen» versprechen einen besonderen Nutzen. Ein Marktcheck zeigt aber: Die gesundheitsbezogenen Versprechen sind zum Teil übertrieben, vereinzelt sogar krankheitsbezogen und damit verboten. Für den Marktcheck suchten die Tester in Drogerien, Supermärkten und Discountern gezielt nach Tees mit gesundheitsbezogenen Angaben auf der Schauseite. Dabei wählten sie nur herkömmliche Produkte aus, Arzneitees wurden nicht berücksichtigt. Solche herkömmlichen Tees gelten als Lebensmittel und dürfen nicht mit krankheitsbezogenen Angaben werben. Die Verwendung von gesundheitsbezogenen Angaben wie «trägt zur normalen Funktion des Immunsystems bei» ist legitim, wenn diese für den Tee oder eine Zutat des Tees zugelassenen sind.

Was hinter den Gesundheitsversprechen von Tee wirklich steckt
Der Marktcheck zeigt: Bei 21 der 34 Tees beruht die versprochene Wirkung nicht etwa auf den abgebildeten Kräutern oder Früchten. Vielmehr setzen die Anbieter zusätzlich Vitamine, Mineralstoffe oder Melatonin zu, um mit dem Claim, der gesundheitlichen Angabe, werben zu dürfen.

Beispielsweise steckte in einem «Immunschutztee» neben der abgebildeten Zitrone und Ingwerwurzel auch Vitamin C und Zink. Für diese beiden Nährstoffe ist der Claim «trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei» zugelassen. Für Kräuter oder Früchte hingegen gibt es keine zugelassene Angabe in Bezug auf das Immunsystem.

Auch bei den Einschlaftees fiel das Fazit nüchtern aus: Laut Marktcheck könnte die Verpackung bei Verbrauchern «den Eindruck erwecken, die auf der Schauseite dargestellten Kräuter Hopfen, Lavendel und Melisse würden mit für bessere Schlafqualität sorgen». Belegt und zugelassen sei jedoch nur die Wirkung des zugesetzten Melatonins.

Der deutsche Verbraucherzentrale-Bundesverband bezeichnet ein solches Vorgehen als Marketingtrick: Produktnamen und Abbildungen vermittelten den Eindruck, die Kräuter, Früchte oder auch der Tee insgesamt könnten die beworbene Wirkung erzeugen. Tatsächlich basiert der Claim zum Immunsystem allein auf den zugesetzten Vitaminen oder Mineralstoffen.

Gesundheitsvorteile von grünem Tee und Matcha sind nicht bewiesen
Und was ist mit den beliebten «Gesundheitsboostern» Matcha, Grün- und Ingwertee? Da müssen Teefreunde jetzt stark sein, denn auch hier gibt es keine wissenschaftlichen Belege der Wirksamkeit. Beim Ingwertee ist es so: Es gibt zwar einige Grundlagenstudien, die zeigen, dass Ingwer antiviral und entzündungshemmend wirkt. Doch ob das im Endeffekt zum Beispiel auch zu weniger Erkältungen führt, ist wissenschaftlich nicht belegt.

Auch die Gesundheitsmythen zum Grüntee wurden jüngst wissenschaftlich entzaubert. Und zur Frage: «ist Matcha Tee gesund oder gar gesünder als andere Teesorten?» lautet die nüchterne Antwort: nein. Solche Unterschiede sind ausschliesslich rein spekulativer Natur. Matcha ist nur ein Tee unter vielen.

Sollen wir also keinen Tee mehr trinken? Auf keinen Fall sind fehlende wissenschaftliche Beweise ein Grund, Lebensmittel nicht zu geniessen, die man gerne isst und trinkt. Tee hat etwas Heimeliges und Wärmendes, er schmeckt und tut gut, er verleiht ein schönes Gefühl. Und er liefert wertvolle Inhaltsstoffe; besonders, wenn frischer Power-Ingwer drin ist. Es ist ganz einfach: Trinken Sie den Tee so, wie er Ihnen am besten schmeckt und das schönste Gefühl schenkt. Das ist es, worauf es wirklich ankommt.

 

Uwe Knop
Diplom-Ökotrophologe