21.10.2026, von Jonas Rauen

Kompost: Vom Küchenabfall zum Gold des Gartens

Das grüne Kompostkübeli steht heute in vielen Schweizer Haushalten. Doch wer einen eigenen Garten hat, kann unter Umständen noch einen Schritt weitergehen und aus organischen Abfällen selbst wertvollen Dünger oder Humus herstellen. Statt Kartoffelschalen, Kaffeesatz oder Heckenschnitt wegzuwerfen, veredelt man sie direkt auf dem eigenen Grundstück.

 

Warum sich Kompostieren lohnt
Ein eigener Komposthaufen entlastet gleich mehrfach: das Portemonnaie wie die Umwelt. Kompost liefert wichtige Nährstoffe wie Stickstoff, Phosphor und Kalium in einer für Pflanzen gut verfügbaren Form und ersetzt so teuren mineralischen Kunstdünger. Er verbessert zugleich die Bodenstruktur: Schwere, lehmige Böden werden lockerer und besser belüftet, während sandige Böden Wasser und Nährstoffe wie ein Schwamm besser speichern. Dazu reduziert Kompostieren das Volumen des Haushaltkehrichts spürbar und ist eine regionale Alternative zu käuflich erwerbbarer Gartenerde.

Wie Kompostierung funktioniert
Kompostierung ist kein Fäulnisprozess, sondern ein aerober Abbau; Mikroorganismen wie Bakterien und Pilze brauchen dafür zwingend Sauerstoff. Fehlt die Luft, kippt der Prozess in eine anaerobe Gärung um, und es entstehen unangenehme Gerüche, welchen man natürlich möglichst vermeiden möchte. Neben den Kleinstlebewesen zerkleinern vor allem Regenwürmer, Asseln und Springschwänze das Material. Entscheidend ist ein ausgewogenes Verhältnis von Kohlenstoff zu Stickstoff. «Braunes», kohlenstoffreiches Material sind etwa Laub, Stroh, Holzhäcksel und kleine Zweige; «grünes», stickstoffreiches Material sind Rasenschnitt, Gemüsereste oder welke Blumen. Beide Gruppen sollten gut durchmischt sein: Zu viel Grünmaterial führt zu Matsch, zu viel Braunmaterial verlangsamt die Rotte stark. In der ersten Phase, der Heissrotte, entstehen im Inneren Temperaturen von rund 60 bis 70 °C, eine gewollte Hitze, die Unkrautsamen und Krankheitskeime abtötet.

Schritt für Schritt: den Kompost anlegen
Standort: Ideal ist ein halbschattiger, windgeschützter Platz. Pralle Sonne trocknet den Kompost aus, tiefer Schatten bremst den Prozess. Wichtig ist der direkte Bodenkontakt zur Erde, niemals auf Steinplatten oder Beton stellen, damit Bodenlebewesen einwandern können und überschüssiges Wasser versickert.
Aufbau in Schichten: Man beginnt mit rund 20 cm grobem Material wie Ast- und Strauchschnitt als Drainage-und Belüftungsschicht. Darüber kommen die eigentlichen Abfälle: Küchenreste, Rasenschnitt und zerkleinerte Gartenabfälle gut durchmischt. Eine dünne obere Schicht aus Gartenerde oder reifem Kompost dient als «Impfung» mit nützlichen Mikroorganismen.
Grundregel: feuchtes, weiches Material stets mit trockenem, strukturreichem kombinieren.

Was auf den Kompost darf
Vieles aus Küche und Garten eignet sich hervorragend: Obst- und Gemüsereste, Rüstabfälle, Tee- und Kaffeesud samt Filterpapier, zerkleinerte Schnittblumen und Topfpflanzen, Eierschalen, Baum- und Strauchschnitt, Laub, Gras- und Rasenschnitt, Fallobst, Baumnadeln, Moose sowie Kleintiermist von Pflanzenfressern. Auch Unkraut gehört dazu, allerdings nicht im samenden Zustand, und Vorsicht bei Arten, die sich über Ausläufer vermehren. Damit das Material gut verrottet, sollte es vorbereitet werden: Das Kompostmaterial auf Daumenlänge zerkleinern, hartschaliges Material wie Eierschalen zerdrücken und nicht organisches Material entfernen.

Was nicht in den Kompost gehört
Nicht alles, was im Bioabfall landet, darf auf den Kompost. Tabu sind Fleisch, Fisch und Wurst, gekochte Speisereste, Milchprodukte, Backwaren, Knochen sowie Fette und Öle. Sie ziehen Ratten und Mäuse an. Ebenfalls nichts verloren haben Schalen von Südfrüchten in grösseren Mengen, Holz- und Kohleasche, kranke Pflanzen oder Pflanzenteile, Wurzeln, Hunde- und Katzenkot, Zigarettenstummel sowie sämtliche nicht organischen Stoffe wie Glas, Keramik, Metall, Kunststoff, Windeln, Karton, Papier und Staubsaugerbeutel.

Profi-Tipps für gute Erde
Der Feuchtigkeitstest zeigt, ob die Mischung stimmt: Eine Handvoll Material fest zusammendrücken, es sollte sich wie ein ausgedrückter Schwamm anfühlen, feucht, aber ohne, dass Wasser herausläuft. Zu trocken lässt die Lebewesen absterben, zu nass beginnt es zu stinken. Riecht der Kompost unangenehm, ist das fast immer ein Zeichen von Sauerstoffmangel; dann hilft trockenes Häckselgut oder Laub sowie ein gründliches Umsetzen. Grundsätzlich sollte man den Kompost ein- bis zweimal pro Jahr umschichten und dabei das äussere Material nach innen bringen, das führt frischen Sauerstoff zu. Wie lange es bis zur reifen Erde dauert, hängt von Temperatur und Zusammensetzung ab: Frischkompost zum Mulchen ist teils nach drei bis vier Monaten fertig, reifer Kompost braucht in der Regel sechs bis zwölf Monate. Man erkennt ihn daran, dass er dunkel ist und krümelig zerfällt

Auch rechtlich geregelt
Kompostierung und Vergärung sind in der Schweiz nicht nur eine Frage des Gärtnerhandwerks, sondern auch gesetzlich eingebettet. Auf Bundesebene bilden unter anderem das Umweltschutzgesetz (USG) und die Abfallverordnung (VVEA) den Rahmen; hinzu kommen etwa die Dünger-Verordnung sowie Vorschriften zum Gewässer-und Luftschutz. Zudem existieren auch noch unterschiedliche kantonale Vorschriften. Wer grössere Mengen Grün gut hat, klärt am besten bei der Gemeinde ab, welche Sammel- und Entsorgungsangebote bestehen.

Fazit
Kompostieren ist gelebte Kreislaufwirtschaft: Man gibt dem Boden zurück, was man ihm bei der Ernte entnommen hat. Mit dem richtigen Standort, einer guten Mischung aus grünem und braunem Material und etwas Geduld entsteht aus Abfall eine dunkle, nach Waldboden duftende Erde.

 

Jonas Rauen
Konsumentenforum kf