Skimpflation – und was Sie dazu wissen sollten
Ist es Ihnen auch schon einmal so ergangen? Sie kaufen ein bestimmtes Lebensmittel seit längerer Zeit regelmässig – doch eines Tages scheint etwas nicht zu stimmen. Der Geschmack ist nicht mehr wie gewohnt, die Konsistenz plötzlich kaum mehr wiederzuerkennen. Etwas fühlt sich anders an. Auf der Verpackung entdecken Sie ein kleines Hinweislabel in unauffälliger Farbe: «Neue Rezeptur». Was steckt hinter diesem Phänomen und warum entscheiden sich Unternehmen dazu, seit jeher bewährte Produkte zu verändern?
Das Konzept Skimpflation
In Zeiten stark steigender Lebensmittelpreise und schrumpfender Verpackungsgrössen sollte man sich als Konsument auch der sogenannten Skimpflation bewusst sein. Dieser Begriff setzt sich aus dem englischen Begriff «skimp» (knausern, einsparen) und dem Wort «Inflation» zusammen und beschreibt eine geschickt versteckte Form der Preisanpassung. Gemeint damit ist die Veränderung eines Produkts zur Gewinnsteigerung, indem bei der Herstellung auf günstigere oder qualitativ minderwertigere Zutaten zurückgegriffen wird. Die Rechnung ist einfach, bei günstigeren Herstellungskosten und gleichbleibenden Verkaufspreisen erhöht sich die Gewinnmarge für den Produzenten.
Ganz neu ist dieses Phänomen nicht, man erinnere sich beispielsweise an das Jahr 2017: Der Hersteller Ferrero modifizierte die Rezeptur seines beliebten Brotaufstrichs Nutella, wobei sich die Zusammensetzung der Zucker Fett-Crème zugunsten günstigerer Zutaten verschob. So wurde der Anteil des teureren Kakaos reduziert, während der Anteil des günstigeren Magermilchpulvers von 7,5 % auf 8,7 % erhöht wurde. Auch schon damals standen die Vorwürfe im Raum, Ferrero wolle lediglich den eigenen Gewinn steigern.
Ganz konkret
Die Verbraucherzentrale Hamburg veröffentlichte im vergangenen Jahr eine Liste mit rund vierzig Produkten, die von Skimpflation betroffen sind. Darunter finden sich auch Produkte, die in der Schweiz verkauft werden und somit die hiesigen Konsumenten treffen. Ein gutes Beispiel hierfür sind die Schoggi-Dinkel-Kugeln von Alnatura: Während der Anteil der teuren Vollmilchschokolade von 69 % auf 60 % sank, stieg der Anteil des günstigeren Dinkelvollkornmehls von 15 % auf 20 %.
Ein weiteres Beispiel, über das die Konsumentensendung Kassensturz des SRFs berichtete, sind die «Sensations Cookies» von Milka, bei denen Sonnenblumenöl durch günstigeres Palmöl ersetzt wurde. Solche Anpassungen können dazu führen, dass die Produktqualität sinkt, während die Preise hoch bleiben oder sogar steigen. Die Hersteller sichern sich dadurch höhere Gewinne, während die Leidtragenden letztendlich die Konsumenten sind.
Gute Miene zum bösen Spiel
Der Nachweis der Skimpflation gestaltet sich relativ schwierig, da hierfür detaillierte Zutatenlisten über einen Zeitraum von Jahren hinweg genau verglichen werden müssten. Dennoch gibt es Hinweise, auf die Konsumentinnen und Konsumenten beim Kauf achten können. Ein Vermerk wie «Neue Rezeptur» auf der Verpackung kann ein Indiz für Skimpflation sein. Mitunter wird sogar eine «verbesserte Rezeptur» beworben, obwohl sich die Produktqualität verschlechtert hat. Allerdings gilt es zu beachten, dass nicht jede modifizierte Rezeptur eine Skimpflation bedeutet.
Nicht selten tritt Skimpflation zudem gemeinsam mit der sogenannten Shrinkflation auf, also einer Reduktion der Füllmenge bei gleichbleibendem Preis. Auf diese Weise erhöhen Hersteller ihre Marge gleich doppelt: Sie sparen bei den Zutaten und verlangen gleichzeitig mehr Geld pro verkaufte Einheit.
Fazit
Die Skimpflation ist für Konsumentinnen und Konsumenten oft nur schwer zu erkennen, da Veränderungen an Produkten meist versteckt erfolgen und auf den ersten Blick kaum auffallen. Dennoch können solche Anpassungen spürbare Auswirkungen auf die Qualität sowie auf das Preis-Leistungs-Verhältnis haben. Umso wichtiger ist es daher, beim Einkauf aufmerksam zu bleiben, Zutatenlisten und Inhaltsangaben sorgfältig zu vergleichen und Werbeaussagen kritisch zu hinterfragen, um bewusste Kaufentscheidungen treffen zu können.
Jonas Rauen
Konsumentenforum kf