Sparen wird zur Strategie: Wie sich das Konsumverhalten der Schweiz 2026 verändert
Für die Schweiz dürfte 2026 ganz im Zeichen des Sparens stehen. Schon Anfang Jahr merkt man es überall: Da wird dreimal überlegt, ob man sein Geld wirklich ausgeben muss oder wo, denn so richtig locker sitzt der Franken bei kaum jemandem. Dies ist vor allem interessant, weil die Inflation fast komplett verschwunden ist. Trotzdem bleibt der Druck auf die Haushaltskasse präsent. Also ist Sparen angesagt, und zwar mit Ansage.
Eine frische Umfrage vom Marktforscher Management Tools Research bringt es deutlich auf den Punkt: Rund ein Drittel Einwohner unseres Landes sagt, dass man 2026 weniger Geld ausgeben will als das letzte Jahr. Besonders die unter 45-Jährigen drücken auf die Budget-Bremse. Da sind es sogar 41%, die sich beim Einkaufen zurücknehmen. Nur eine kleine Minderheit plant, mehr auszugeben. Die Mehrheit hält einfach alles beim Alten, etwa 44% wollen nicht mehr, aber auch nicht weniger ausgeben. Das Ganze wirkt schon fast nüchtern: Obwohl es wirtschaftlich eigentlich ziemlich stabil läuft, spüren viele, dass sie genauer mit ihrem Geld haushalten müssen. Höhere Fixkosten, steigende Krankenkassenprämien und generell ein Gefühl von Unsicherheit sorgen dafür, dass spontane Käufe seltener werden. Wo und wie Sie am einfachsten sparen können, erfahren Sie nachfolgend.
Sparen im Alltag
Viele Menschen kaufen sich kleine Dinge und denken sich: «Ach, dieser Kaffee am Morgen vertreibt mir Kummer und Sorgen und belastet das Budget nicht.» Doch genau diese kleinen Ausgaben summieren sich letztlich zu einer grossen Summe. Wer den Gürtel enger schnallen muss, sollte auf solche Ausgaben verzichten. Besser den Kaffee von zu Hause mitnehmen oder gegebenenfalls ganz darauf verzichten. Dasselbe gilt für die Ausgaben über die Mittagspause: Wenn man sich täglich ein Sandwich für 7,90 CHF kauft, sind das Ausgaben von 39,50 CHF in der Woche bzw. 158 CHF im Monat. Deshalb unser Tipp: Nehmen Sie Ihr Essen von zu Hause mit. Auch Sonderausverkäufe mit T-Shirts für 3 Franken oder Hosen für 15 Franken locken viele Menschen an. Vor solchen Käufen sollte man sich stets fragen: «Brauche ich das wirklich und werde ich es tatsächlich tragen?» Erfahrungsgemäss lohnen sich solche Käufe nie, da sie qualitativ nichtüberzeugen, sondern lediglich Fashion-Waste produzieren.
Sparen beim Einkauf
Bei Lebensmitteln fällt es vielen Menschen schwer zu sparen, da sie weder auf ihre Lieblingsprodukte noch auf gute Qualität verzichten möchten. Doch auch hier gibt es einige Tipps und Tricks, mit denen sich Geld sparen lässt:
- Einkaufsliste: Schreiben Sie vor dem Einkaufen eine Einkaufsliste, um impulsive Käufe zu vermeiden und nur das zu kaufen, was Sie wirklich brauchen. Stöbern Sie bei der Erstellung der Liste auch in den Vorräten und notieren Sie, was Sie haben und demnächst aufbrauchen müssen. Übrigens: den Papiersack für die Einkäufe kann man mehrmals verwenden….
- Mahlzeiten planen: Planen Sie Ihre Mahlzeiten vor dem Einkauf. So ersparen Sie sich nicht nur den mehrfachen Gang in Supermärkte, sondern verhindern auch Lebensmittelverschwendung.
- Achten Sie im Laden bei lang haltbaren Produkten und sogenannten Non-Food-Artikeln auf Aktionen. Bei frischen Produkten empfiehlt es sich, auf die 1-Franken-Produktaktionen der Detailhändlerinnen zu achten. Bevorzugen Sie saisonale Produkte.
- Gehen Sie zu zweit einkaufen. Gerade für alleinstehende Personen sind Aktionspackungen meistens zu gross, und
frische Produkte lassen sich kaum allein verzehren. Zu zweit können Sie sich die Kosten und die Produkte teilen. - Markenprodukte: Diese Produkte sind meist um einiges teurer, aber nicht zwingend qualitativ besser als die No-Name-Produkte oder die Eigenmarken der verschiedenen Detailhändler, deswegen lohnt es sich, diese Produkte auszuprobieren.
- To good to go und Food-Sharing sind Projekte, die Lebensmittel vergünstigt abgeben.
- Obstbäume: In der Schweiz stehen unzählige Obstbäume, deren Früchte nicht geerntet werden. Die Gründe dafür können unterschiedlich sein: das Alter, die Arbeitsbelastung oder schlicht die Tatsache, dass man seinen eigenen Obstbaum und die Früchte daran einfach satt hat. Viele, denen es so ergeht, bieten in den sozialen Medien an, dass die Früchte gratis geerntet werden dürfen. Achten Sie daher auf entsprechende Aufrufe und Angebote.
Auch in der Alltagsadministration können Einsparungen gemacht werden, die unter dem Strich und bei einiger Konsequenz bare Münze bringen.
- Mitgliederbeiträge und Abonnemente überprüfen. Manchmal läuft ein Abo weiter, das man schon längst nicht mehr braucht; oder Mitgliedschaften haben sich überlebt. Prüfen Sie von Zeit zu Zeit nach, was fast unbemerkt von der Kreditkarte abgebucht wird. Vor allem digitale Dienstleistungen gehen manchmal vergessen.
- Elektronische Rechnungen statt physische Post: Die meisten Rechnungssteller verlangen für eine ausgedruckte und versendete Rechnung einen gewissen Betrag, meist zwischen CHF 2.- und 5.-; hier ist Sparpotential vorhanden, bedingt aber eine gewisse Organisation, um keine Mahnungen zu riskieren.
- Krankenkassenprämien vergleichen und allenfalls die Kasse oder das Angebot wechseln.
Wer bewusst konsumiert und seine Ausgaben regelmässig überprüft, erkennt Einsparpotentiale und kann gezielt Geld zur Seite legen. Schon kleine Veränderungen im Alltag können langfristig einen grossen Unterschied machen.
Ruth Dickenscheid mit Noah Mennel
Konsumentenforum