
Grüner Power direkt vor der Haustür
So nutzen Sie Wildkräuter richtig!
Der Frühling ist da! Spaziergänge in der Natur bieten nicht nur Bewegung, sondern auch einige gesunde Schätze, die am Wegrand und im Wald wachsen und die oft unbeachtet bleiben. Das ist schade, denn mit ihnen kann man der Frühlingsküche einen besonderen Kick verleihen. Erfahren Sie hier, wie Sie mit heimischen Wildkräutern Ihre Menus bereichern können.
Welche heimischen essbaren Wildkräuter wachsen jetzt im Frühling? Auf der Suche nach regionalen «saisonalen Exoten» muss man in keinen Edelsupermarkt gehen und viel Geld auf den Tisch blättern – im Frühling reicht häufig ein aufmerksamer Blick in den eigenen Garten oder ein Spaziergang mit wachsamen Augen durch die Natur. Denn unsere heimischen essbaren Wildkräuter wachsen oft unbeachtet – dabei stecken sie voller wertvoller Nährstoffe und Aromen. Viele Pflanzen haben eine lange Tradition, sei es in der Ernährung oder in der Naturheilkunde und bereichern den Speiseplan – vorausgesetzt, sie werden eindeutig erkannt.
Wildkräuter punkten dann in mehrfacher Hinsicht: sie kosten nichts, wachsen vor der Tür, auf Wiesen, am Weges- und Waldrand und liefern zahlreiche Nährstoffe. Bei genauem Hinsehen sind in den kommenden Wochen folgende Spezialitäten fast überall zu finden: Bärlauch (nächstes Jahr wieder!), Giersch, Vogelmiere, Spitzwegerich, Knoblauchsrauke (Knoblauchhederich) oder Sauerampfer.
Welche gesundheitlichen Wirkungen können sie haben? Wichtig ist, dass wir immer im Konjunktiv sprechen – d.h. unsere heimischen essbaren Wildkräuter haben zwar viele bioaktive Inhaltstoffe und ihr Nährstoffgehalt ist oftmals um ein Vielfaches höher als der kultivierter Pflanzen. Aber: ob sie auch in Ihrem Körper gesundheitlich positiv wirken, das kann niemand sicher sagen. Spüren Sie daher in sich hinein, wie Sie sich während und nach dem Genuss von Mahlzeiten oder Getränken mit frischen Wildkräutern fühlen. Das Allerwichtigste ist: Wildkräuter müssen Ihnen gut schmecken, und Sie müssen sie richtig gut vertragen. Also verdauen können. Dann haben Sie die besten Chancen auf einen gesundheitlichen Zusatznutzen – beispielsweise durch:
Bärlauch
Wächst in schattigen Wäldern und ist reich an Vitamin C und ätherischen Ölen. Auswahl möglicher Effekte: verdauungsfördernd.
Löwenzahn
Ist weit verbreitet und enthält viele Vitamine und Mineralstoffe. Auswahl möglicher Effekte: harntreibend und regt die Verdauung an.
Giersch
Schmeckt wie eine Mischung aus Rüebli und Peterli und ist reich an Vitamin C und Mineralstoffen. Auswahl möglicher Effekte: entzündungshemmend und entsäuernd.
Knoblauchsrauke
Schmeckt nach einer Mischung aus Knoblauch und Kresse und ist reich an Vitamin C und Senfölen. Auswahl möglicher Effekte: antibakteriell und schleimlösend.
Spitzwegerich
Wächst häufig auf Wiesen und am Wegesrand und enthält Schleimstoffe und Gerbstoffe. Auswahl möglicher Effekte: hustenreizlindernd und entzündungshemmend.
Gundermann / Gundelrebe
Wächst an Wiesen, Hecken und Wegesrändern. Erinnert geschmacklich an Minze und Thymian. Auswahl möglicher Effekte; appetitanregend und stoffwechselaktivierend.
Wie kann ich Wildkräuter in meinen Speiseplan einbauen? Ganz einfach – ganz wie Sie möchten. Ihrer kulinarischen Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Denn Wildkräuter sind in jeder Küche vielseitig einsetzbar – beispielsweise im Salat, Smoothie oder als würzige Zutat in Suppen, Saucen, Dips und Pesto. Probieren Sie, worauf Sie Lust haben! Und seien Sie der heimischen Natur ein wenig dankbar für diese köstlichen Geschenke – das ist gut fürs Karma.
Worauf sollte ich unbedingt achten? Wer Wildkräuter sammeln möchte, sollte genau wissen, was er sucht. Denn beim Sammeln von Wildkräutern ist es sehr wichtig, diese sicher zu identifizieren, damit Verwechslungen mit giftigen Pflanzen vermieden werden. Sammeln Sie auch nur an Standorten, die nicht durch Schadstoffe belastet sind. Waschen Sie die Kräuter sanft vor dem Verzehr.
Wildkräuter sollten von Anfängern zuerst einmal nur in Massen verzehrt werden, um zu testen, wie der Körper auf die kleinen grünen Powerpakete reagiert. Empfehlenswert für Neueinsteiger ist es, vor der ersten Suche an einer professionellen Wildkräuterführung teilzunehmen, um potentiell gefährliche bis tödliche Verwechslungen auszuschliessen. Auch eine Infektion mit dem lebensgefährlichen Fuchsbandwurm über den Kontakt mit Wildkräutern lässt sich leider nicht ausschliessen.
Uwe Knop
Uwe Knop, Jahrgang 1972, ist Diplom-Ernährungswissenschaftler, Buchautor, und Referent für Vorträge bei Fachverbänden, Unternehmen und auf Ärztefortbildungen. Sein neues Buch “ENDLICH RICHTIG ESSEN” erschien im August 2024.