{"id":152523,"date":"2026-10-28T12:32:57","date_gmt":"2026-10-28T11:32:57","guid":{"rendered":"https:\/\/konsum.ch\/?p=152523"},"modified":"2026-10-28T12:32:57","modified_gmt":"2026-10-28T11:32:57","slug":"pendeln-was-kostet-uns-der-taegliche-arbeitsweg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/konsum.ch\/de\/pendeln-was-kostet-uns-der-taegliche-arbeitsweg\/","title":{"rendered":"Pendeln: Was kostet uns der t\u00e4gliche Arbeitsweg?"},"content":{"rendered":"<p><em>F\u00fcr Millionen Menschen hierzulande geh\u00f6rt der Arbeitsweg zum Alltag. Ob mit dem Auto, Zug, Bus, Velo oder zu Fuss: Wer regelm\u00e4ssig pendelt, investiert nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Dabei ist die g\u00fcnstigste und praktischste L\u00f6sung nicht f\u00fcr alle dieselbe. Ein Vergleich lohnt sich, denn neben dem Preis spielen auch Zeit, Komfort, Flexibilit\u00e4t und Umweltbelastung eine wichtige Rolle.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>3,7 Millionen Menschen pendeln zur Arbeit<\/strong><br \/>\nDie Zahlen des Bundesamts f\u00fcr Statistik (BFS) zeigen, wie selbstverst\u00e4ndlich das Pendeln f\u00fcr die Schweizer Bev\u00f6lkerung geworden ist. 2024 waren rund 3,7 Millionen Menschen Arbeitspendler. Das entspricht etwa acht von zehn Erwerbst\u00e4tigen. Rund 71 Prozent arbeiteten dabei ausserhalb ihrer Wohngemeinde. Im Durchschnitt legten Pendler pro Arbeitsweg 14 Kilometer zur\u00fcck und ben\u00f6tigten daf\u00fcr rund 30 Minuten. Damit kommen bei einem klassischen Arbeitsweg schnell mehrere hundert Stunden und Tausende Kilometer pro Jahr zusammen. Die Wahl des Verkehrsmittels kann deshalb einen erheblichen Unterschied machen, nicht nur f\u00fcr das Portemonnaie, sondern auch f\u00fcr den pers\u00f6nlichen Alltag.<\/p>\n<p><strong>Das Auto: flexibel, aber mit hohen Gesamtkosten<\/strong><br \/>\nDas Auto bietet beim Pendeln einen entscheidenden Vorteil: Es bringt seine Nutzer meist direkt von zu Hause zum Arbeitsplatz. Gerade bei Arbeitspl\u00e4tzen ausserhalb der Zentren, bei unregelm\u00e4ssigen Arbeitszeiten oder wenn unterwegs Kinder oder Eink\u00e4ufe transportiert werden m\u00fcssen, kann diese Flexibilit\u00e4t entscheidend sein. Allerdings werden die tats\u00e4chlichen Kosten des Autos h\u00e4ufig untersch\u00e4tzt. Neben Treibstoff oder Strom fallen unter anderem Wertverlust, Versicherung, Steuern, Wartung, Reifen und Reparaturen an. Hinzu kommen, je nach Arbeitsplatz, Parkgeb\u00fchren. Bei einem bereits vorhandenen Auto darf allerdings nicht der gesamte Kilometerpreis automatisch als zus\u00e4tzlich anfallen der Pendelaufwand verstanden werden. Ein grosser Teil der Fixkosten f\u00e4llt auch dann an, wenn das Fahrzeug weniger gefahren wird. F\u00fcr eine pers\u00f6nliche Entscheidung sollte deshalb zwischen den tats\u00e4chlichen Zusatzkosten des Pendelns und den gesamten Kosten der Fahrzeugnutzung unterschieden werden.<\/p>\n<p><strong>Der \u00f6ffentliche Verkehr: weniger flexibel, daf\u00fcr planbarer <\/strong><br \/>\n2022 nutzten knapp ein Drittel der Arbeitspendler, rund 29 Prozent, den \u00f6ffentlichen Verkehr als Hauptverkehrsmittel. 16 Prozent fuhren dabei haupts\u00e4chlich mit dem Zug. Das Auto blieb mit 50 Prozent zwar das meistgenutzte Verkehrsmittel, doch der \u00f6ffentliche Verkehr spielt insbesondere auf l\u00e4ngeren Strecken zwischen St\u00e4dten und Agglomerationen eine wichtige Rolle. Weitere 18 Prozent gingen zu Fuss oder fuhren mit dem Velo zur Arbeit. Der gr\u00f6sste Vorteil des \u00d6V liegt f\u00fcr viele Pendler darin, dass sich die Reisezeit anders nutzen l\u00e4sst. Im Zug kann man beispielsweise lesen, arbeiten oder entspannen. Gleichzeitig entf\u00e4llt die Parkplatzsuche, und man ist weniger unmittelbar vom Strassenverkehr abh\u00e4ngig. Daf\u00fcr ist man an Fahrpl\u00e4ne und Verbindungen gebunden. Versp\u00e4tungen, \u00fcberf\u00fcllte Z\u00fcge oder schlechte Verbindungen zu den Stosszeiten k\u00f6nnen den Arbeitsweg erschweren. Auch bei den Kosten gibt es grosse Unterschiede. Entscheidend ist, ob ein Einzelbillett, ein Halbtax, ein Streckenabo, ein Verbundabo oder ein GA am besten zur pers\u00f6nlichen Situation passt. Dies muss allerdings individuell bestimmt werden. Das GA f\u00fcr Erwachsene kostet aktuell noch 3&#8217;995 Franken pro Jahr in der 2. Klasse, ab Dezember 2026 werden es 4&#8217;095 Franken sein. Das entspricht bei j\u00e4hrlicher Zahlung rund 333, bzw. 341,25 Franken pro Monat. Ein GA lohnt sich allerdings nicht automatisch f\u00fcr jeden Pendler. Wer nur eine bestimmte Strecke regelm\u00e4ssig zur\u00fccklegt, f\u00e4hrt mit einem Strecken- oder Verbundabo unter Umst\u00e4nden g\u00fcnstiger. Der Pendelrechner der SBB kann dabei helfen, die Kosten f\u00fcr Auto und \u00d6V auf der pers\u00f6nlichen Strecke gegen\u00fcberzustellen.<\/p>\n<p><strong>Ein konkreter Preisvergleich<\/strong><br \/>\nOnline finden sich mehrere Preisvergleichsrechner, mit denen sich die Kosten einer mit dem Auto zur\u00fcckgelegten Pendelstrecke mit den Kosten des \u00f6ffentlichen Verkehrs vergleichen lassen. Wir haben uns den Rechner der SBB n\u00e4her angesehen und modellhaft einige Pendelstrecken verglichen.<\/p>\n<p>1. Beispiel: Z\u00fcrich \u2013 Bern<br \/>\nEin g\u00e4ngiges Beispiel f\u00fcr eine Pendelstrecke d\u00fcrfte die Verbindung von Z\u00fcrich nach Bern sein, die auch von Mitarbeitern unseres B\u00fcros genutzt wird. Der Einfachheit halber gehen wir von einem Wohnort in Z\u00fcrich, einem Arbeitsplatz in der Berner Innenstadt und einem Besch\u00e4ftigungsgrad von 50 Prozent aus. Die einfache Strecke betr\u00e4gt dabei etwa 120 Kilometer. F\u00fcr Bern wird ein Stellplatz im Parkhaus angenommen. F\u00fcr die Autofahrt rechnen wir mit einem Kilometerkostensatz von 0.71 Franken. Pro Jahr ergeben sich dadurch Kosten von 23&#8217;664 Franken mit dem Auto. Mit dem Zug w\u00e4ren es 3&#8217;995 Franken, entsprechend dem Preis eines GA. Neben einer m\u00f6glichen Ersparnis von 19&#8217;669 Franken pro Jahr lassen sich mit dem \u00f6ffentlichen Verkehr zudem rund 5&#8217;096 Kilogramm CO2 einsparen.<\/p>\n<p>2. Beispiel: M\u00fcnsingen \u2013 Bern<br \/>\nDieses Beispiel bezieht sich auf die zuvor erw\u00e4hnte durchschnittliche Entfernung von rund 14 Kilometern pro Arbeitsweg. Wir rechnen mit einem Besch\u00e4ftigungsgrad von 100 Prozent, diesmal ohne Parkplatzkosten in Bern und mit einem Kilometerkostensatz von 0.71 Franken f\u00fcr das Auto. Unter diesen Umst\u00e4nden ergeben sich j\u00e4hrliche Kosten von 4&#8217;374 Franken mit dem Auto und 1&#8217;476 Franken mit dem entsprechenden lokalen \u00d6V-Abo. Die CO2-Ersparnis betr\u00e4gt j\u00e4hrlich rund 1&#8217;189 Kilogramm. Zur Einordnung muss festgehalten werden, dass sich diese Werte den individuellen Kosten nur ann\u00e4hern. Einige Faktoren, wie etwa die genauen Betriebskosten des Fahrzeugs, wurden nicht im Detail ber\u00fccksichtigt. Dennoch zeigen die Beispiele, dass mit der Nutzung des \u00f6ffentlichen Verkehrs eine deutliche finanzielle Ersparnis m\u00f6glich sein kann.<\/p>\n<p><strong>Zeit ist ebenfalls ein Kostenfaktor<\/strong><br \/>\nBeim Pendeln geht es allerdings nicht nur um Geld. Wer t\u00e4glich eine Stunde f\u00fcr den Hin- und R\u00fcckweg ben\u00f6tigt, verbringt bei 220 Arbeitstagen rund 220 Stunden pro Jahr im Arbeitsverkehr. Das entspricht mehr als neun vollen Tagen. Hier kann das Auto je nach Strecke im Vorteil sein, muss es aber nicht. W\u00e4hrend der Autofahrt ist die M\u00f6glichkeit zur sinnvollen Nutzung der Reisezeit stark eingeschr\u00e4nkt. Wer mit dem Zug f\u00e4hrt, kann die Zeit hingegen zum Lesen, Arbeiten oder Entspannen nutzen. Auf der anderen Seite k\u00f6nnen Umstiege oder ein l\u00e4ngerer Fussweg zum Bahnhof die gesamte Reisezeit verl\u00e4ngern. F\u00fcr Konsumenten lohnt es sich deshalb, nicht nur die reine Fahrzeit, sondern die gesamte \u00abT\u00fcr-zu-T\u00fcr\u00bb-Reisezeit zu vergleichen.<\/p>\n<p><strong>Velo und E-Bike: g\u00fcnstig und gesund<\/strong><br \/>\nF\u00fcr k\u00fcrzere Arbeitswege sind Velo und E-Bike interessante Alternativen. Sie verursachen im Vergleich zu Auto und \u00d6V geringe laufende Kosten und erm\u00f6glichen gleichzeitig Bewegung im Alltag. Besonders E-Bikes k\u00f6nnen dabei eine L\u00fccke zwischen Velo und motorisiertem Verkehr schliessen. Sie eignen sich auch f\u00fcr l\u00e4ngere Strecken oder h\u00fcgelige Arbeitswege, bei denen ein normales Fahrrad weniger attraktiv ist.<br \/>\nDer Nachteil: Wetter, Topografie und Infrastruktur setzen Grenzen. Wer beispielsweise entlang einer stark befahrenen Strasse ohne Veloinfrastruktur pendeln muss, d\u00fcrfte sich nicht jeden Tag f\u00fcr das Velo entscheiden wollen. Auch Schneefall d\u00fcrfte f\u00fcr viele, wenn auch nicht f\u00fcr alle begeisterten Velofahrer ein Hindernis sein.<\/p>\n<p><strong>Umwelt: Nicht jedes Auto ist gleich<\/strong><br \/>\nAuch aus \u00f6kologischer Sicht unterscheiden sich die Verkehrsmittel deutlich. Der \u00f6ffentliche Verkehr kann insbesondere bei gut ausgelasteten Verbindungen eine emissionsarme Alternative zum motorisierten Individualverkehr darstellen. Das BFS weist zudem darauf hin, dass das Auto den Personenverkehr weiterhin stark pr\u00e4gt. Wer auf das Auto angewiesen ist, kann mit einem sparsamen Fahrzeug oder einem Elektroauto den Energieverbrauch und die direkten Emissionen reduzieren. Allerdings bedeutet ein Elektroauto nicht, dass die Mobilit\u00e4t kostenlos oder vollst\u00e4ndig umweltneutral wird: Auch Elektrofahrzeuge verursachen beispielsweise durch ihre Herstellung, die Reifen und den Betrieb Kosten und Umweltwirkungen. Noch wirkungsvoller ist es h\u00e4ufig, die Anzahl der Autofahrten zu reduzieren. Fahrgemeinschaften, Homeoffice oder die Kombination verschiedener Verkehrsmittel k\u00f6nnen hier interessante L\u00f6sungen sein.<\/p>\n<p><strong>Die praktischste L\u00f6sung ist oft eine Kombination<\/strong><br \/>\nF\u00fcr viele Pendler muss die Entscheidung nicht zwingend \u00abAuto oder \u00d6V\u00bb lauten. Park-and-Ride, Velo und Zug oder eine Kombination aus Auto und \u00f6ffentlichem Verkehr k\u00f6nnen je nach Strecke sinnvoll sein. Auch einzelne Homeoffice-Tage k\u00f6nnen die j\u00e4hrlichen Pendelkosten und die aufgewendete Zeit deutlich reduzieren. Wer beispielsweise zwei Tage pro Woche im Homeoffice arbeitet, muss entsprechend weniger h\u00e4ufig zur Arbeitsstelle fahren. Das kann nicht nur die Kosten senken, sondern auch den pers\u00f6nlichen Zeitaufwand und die Belastung durch den Arbeitsverkehr reduzieren. Was sollten Pendlerinnen und Pendler vergleichen? Bevor man sich f\u00fcr ein Verkehrsmittel entscheidet, lohnt sich eine pers\u00f6nliche Rechnung. Dabei sollten folgende Punkte ber\u00fccksichtigt werden:<br \/>\n\u2022 Gesamtkosten: Nicht nur Treibstoff oder Billette, sondern beim Auto auch Versicherung, Steuern, Wertverlust, Wartung und Reifen.<br \/>\n\u2022 Parkkosten: Ein g\u00fcnstiges Auto kann durch hohe Parkplatzkosten am Arbeitsort schnell teurer werden.<br \/>\n\u2022 Reisezeit: Entscheidend ist die gesamte Strecke von T\u00fcr zu T\u00fcr.<br \/>\n\u2022 Flexibilit\u00e4t: Wie wichtig sind spontane Abfahrten, Umwege oder Fahrten ausserhalb der \u00fcblichen Arbeitszeiten?<br \/>\n\u2022 Komfort: Kann die Reisezeit genutzt werden oder muss man sich auf den Verkehr konzentrieren?<br \/>\n\u2022 Umwelt: Wie viele Kilometer lassen sich vermeiden oder mit einem emissions\u00e4rmeren Verkehrsmittel zur\u00fccklegen?<br \/>\n\u2022 Homeoffice: Jeder nicht gefahrene Arbeitsweg spart Zeit und Geld.<br \/>\n\u2022 Abonnemente: Beim \u00d6V lohnt sich ein Vergleich zwischen Einzelbillett, Halbtax, Streckenabo, Verbundabo und GA.<\/p>\n<p><strong>Fazit: Der pers\u00f6nliche Arbeitsweg entscheidet<\/strong><br \/>\nDie Schweiz ist ein Pendlerland: Rund 3,7 Millionen Menschen machen sich regelm\u00e4ssig auf den Weg zur Arbeit. Das Auto punktet mit Flexibilit\u00e4t und direkter Verbindung, ist bei einer Vollkostenrechnung aber h\u00e4ufig teurer, als es auf den ersten Blick scheint. Der \u00d6V ist planbarer und erm\u00f6glicht eine andere Nutzung der Reisezeit, ist aber von Fahrplan, Strecke und Tarif abh\u00e4ngig. Velo und E-Bike k\u00f6nnen auf k\u00fcrzeren Distanzen eine g\u00fcnstige und um weltfreundliche Alternative sein. F\u00fcr Konsumenten gibt es deshalb nicht das eine \u00abbeste\u00bb Verkehrsmittel. Entscheidend ist vielmehr, die tats\u00e4chlichen Gesamtkosten und die gesamte Reisezeit der eigenen Strecke zu berechnen. Wer verschiedene Varianten vergleicht und dabei auch Homeoffice, Fahrgemeinschaften oder kombinierte Mobilit\u00e4t ber\u00fccksichtigt, kann unter Umst\u00e4nden mehrere Tausend Franken und viel Zeit pro Jahr sparen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Jonas Rauen <\/strong><br \/>\nKonsumentenforum kf<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr Millionen Menschen hierzulande geh\u00f6rt der Arbeitsweg zum Alltag. Ob mit dem Auto, Zug, Bus, Velo oder zu Fuss: Wer regelm\u00e4ssig pendelt, investiert nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Dabei ist die g\u00fcnstigste und praktischste L\u00f6sung nicht f\u00fcr alle dieselbe. 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