
Ein Gastbeitrag von CarnaLibertas: die Schweizer Lebensmittelpyramide hat ausgedient
Zürich, im März 2025 – Alles im grünen Bereich? Die im vergangenen September von der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (SGE) und dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) veröffentlichte Lebensmittelpyramide hat bereits ausgedient. Abgelöst wird sie durch ein neues, streng nach wissenschaftlichen Kriterien erarbeitetes Ernährungstableau (Nourishment Table). Erarbeitet wurde diese praktische Orientierungshilfe von einer Gruppe internationaler Wissenschaftler um den belgische Professor Dr. Frédéric Leroy. Mit von der Partie in dieser hochkarätigen Gruppe ist auch der Schweizer Professor Dr. Peer Ederer aus Rapperswil. Das Ernährungstableau dient Konsumenten als anschaulicher Kompass für eine richtige Ernährung. Er bietet ihnen im Rahmen eines grün markierten Bereichs zahlreiche Optionen bei der freien Gestaltung ihres Speiseplans. Als Partner der Wissensplattform “Nourish your Choice“ begrüsst der Verein CarnaLibertas dieses neue Instrument, da es einerseits die Konsumenten ermächtigt, unbeeinflusst von Interessen getriebenen Ideologien, Ernährungsentscheide zu treffen und es andererseits der Politik ermöglicht, eine fundierte, wissenschaftlich gestützte Ernährungspolitik zu betreiben.
Einführung des Ernährungs-Tableaus: Ein neue Orientierungshilfe für die Ernährung auf wissenschaftlicher Basis
Als Reaktion auf die zunehmenden gesundheitlichen Herausforderungen und die widersprüchlichen Ernährungsempfehlungen hat eine Gruppe führender Wissenschaftler unter der Leitung von Professor Dr. Frédéric Leroy von der Vrije Universiteit Brüssel das Ernährungstableau (Nourishment Table) vorgestellt. Es handelt sich dabei um ein bahnbrechendes Rahmenwerk, das den Einzelnen in die Lage versetzen soll, fundierte, individuelle Ernährungsentscheidungen zu treffen. Gleichzeitig dient es als Orientierungshilfe für die Entwicklung der Ernährungspolitik. Die Nährwerttabelle basiert auf strengen wissenschaftlichen Erkenntnissen und konzentriert sich auf zwei wesentliche Indikatoren – Nährstoffdichte und Verarbeitungsgrad von Lebensmitteln. Das macht sie zu einem flexiblen, wissenschaftlich fundierten Instrument, das über die heutigen Ernährungsrichtlinien hinausgeht, die alle Konsumenten über einen Kamm scheren.
Wechsel von gesunder Ernährung zu richtiger Ernährung
Herkömmliche Ratschläge zu einer «gesunden Ernährung» haben selten ausgereicht, um die Weltbevölkerung zu einer besseren Ernährung anzuleiten. Weil die Verbraucher in wohlhabenderen Ländern mit der Auswahl an Lebensmitteln überfordert sind, greifen sie zunehmend zu ultra-verarbeiteten Lebensmitteln (UPF), die mit einem höheren Risiko für Gesundheitsprobleme wie Fettleibigkeit und Stoffwechselstörungen verbunden sind. Trotz der grossen Auswahl an Lebensmitteln in einkommensstarken Gegenden kann sich nach Angaben der Vereinten Nationen jeder dritte Mensch weltweit keine ernährungsphysiologisch angemessene Ernährung leisten. Ein kritischer Hinweis darauf, dass die Richtlinien für «gesunde Ernährung» nicht für alle Menschen anwendbar und somit unrealistisch sind.
Jüngsten Studien zufolge tragen UPF, die zudem oft als gesundheitsbewusste Optionen vermarktet werden, und eine Vielzahl künstlicher Zusatzstoffe, Fette und Zucker enthalten, zu übermässigem Konsum und nachteiligen gesundheitlichen Folgen bei. Trotzdem werden diese Lebensmittel häufig als “nachhaltig“ oder “gesund“ beworben, was zur Verwirrung der Verbraucher beiträgt. Das Ernährungstableau stellt dies in Frage, indem es ein umfassenderes Konzept fördert: richtige Ernährung, die eine grössere Flexibilität über alle Kulturen und wirtschaftlichen Bedingungen hinweg bietet und sich auf die Qualität der Nährstoffe und ihren Verarbeitungsgrad und nicht auf blosse Nährwertkennzeichnungen konzentriert.
Die Notwendigkeit eines Common-Sense-Rahmens
Während globale Organisationen und Regierungen die “Grosse Ernährungswende” hin zu einer pflanzlichen Ernährung vorantreiben, setzt sich das neue Ernährungstableau (Nourishment Table) für einen ausgewogenen Ansatz ein, der auf individuellen Entscheidungen, lokalen kulturellen Werten und wirtschaftlichen Realitäten beruht. Für viele Bevölkerungsgruppen, zum Beispiel in Ländern wie Pakistan, Ägypten und Mexiko, führt eine Ernährung mit wenig tierischen Lebensmitteln zu Nährstoffmangel und wird mit Krankheiten wie Typ-2-Diabetes in Verbindung gebracht. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer Entscheidungshilfe, die Gesundheit und Nährstoffdichte in den Vordergrund stellt. „Richtige Ernährung ist mehr als nur gesunde Ernährung – es ist ein praktischer, wissenschaftlich fundierter Ansatz für ein Verständnis derjenigen Lebensmittel, die unsere physiologischen Bedürfnisse erfüllen“, sagte Frédéric Leroy von der Vrije Universiteit Brüssel, der Hauptautor des «Nourishment Table». «Wir wollen einen Rahmen schaffen, der die individuelle Wahl respektiert und es den Konsumenten erleichtert, in ihrem täglichen Leben eine nahrhafte Auswahl an Lebensmitteln zu treffen».
Ernährungstableau: Praktische, evidenzbasierte Anleitungen
Das Ernährungstableau verwendet zwei einfache, aber aussagekräftige Indikatoren: die Nährstoffdichte (das Verhältnis von essenziellen Nährstoffen wie Proteinen und Mikronährstoffen zum Energiegehalt) und den Grad der Lebensmittelverarbeitung. Es ist erwiesen, dass eine Ernährung, die gemessen an Kalorien zu mindestens 25 bis 30 Prozent aus tierischen Lebensmitteln wie Fleisch, Milchprodukten, Fisch und Eiern besteht, zu optimalen Gesundheitsergebnissen führen kann. Moderate Verarbeitungsmethoden wie Fermentieren oder Trocknen werden ebenfalls empfohlen, da sie die Nährstoffverfügbarkeit verbessern, vor allem von nährstoffarmen, pflanzenbasierten Lebensmitteln, und gleichzeitig die Attraktivität und Haltbarkeit der Lebensmittel erhalten.
Die Empfehlungen des Ernährungstableaus zielen darauf ab, einen «Sweet Spot» für die Ernährung zu schaffen, d. h. eine Grundnahrung, die auf Lebensmitteln mit mittlerer bis hoher Nährstoffdichte und geringem oder mässigem Verarbeitungsgrad basiert. Dieser Ansatz ist vielseitig genug, um verschiedenen Bedürfnissen gerecht zu werden, von der traditionellen Ernährung bis hin zu speziellen Bevölkerungsgruppen wie Kleinkinder, Schwangere und älteren Erwachsene. Ebenso kann er an kulturelle und geografische Gegebenheiten angepasst werden.
Zwei komplementäre Formen
Das Ernährungstableau wird in zwei sich ergänzenden Formen vorgelegt: die «prinzipienbasierte Version» und die «illustrative Version» (Beilage).
- Die prinzipienbasierte Version ist ein übergeordnetes Rahmenwerk, das die Kernprinzipien der Ernährung vorstellt und sich auf das Gleichgewicht zwischen Nährstoffdichte und Verarbeitung konzentriert. Sie befasst sich nicht mit spezifischen Ernährungsmustern, sondern bietet eine konzeptionelle Grundlage, um zu erkunden, was eine optimale Ernährung ausmacht.
- Anschauliche Version: Ergänzend bietet die illustrative Version Beispiele aus der Praxis, indem sie historische und aktuelle Ernährungsmuster hervorhebt. Diese Beispiele, die entsprechend ihrer Nährstoffdichte und ihres Verarbeitungsgrads auf dem Tisch angeordnet sind, bieten praktische Einblicke, ohne bestimmte Ernährungsweisen vorzuschreiben. Sie veranschaulichen, wie unterschiedliche Herangehensweisen an Lebensmittel eine angemessene Ernährung unterstützen oder untergraben können, und helfen dem Publikum, die Theorie mit vertrauten Essgewohnheiten in Verbindung zu bringen.
Gemeinsam schlagen diese Versionen eine Brücke zwischen Theorie und Praxis. Dieser doppelte Ansatz ermöglicht es den Konsumenten, fundierte Entscheidungen zu treffen, und bereichert die politischen Debatten, indem er ein tieferes Verständnis dafür vermittelt, was eine angemessene Ernährung für verschiedene Bevölkerungsgruppen bedeutet.
Konsumenten befähigen und die Politik informieren
Das Ernährungstableau ist mehr als ein Ernährungsratgeber: Es ist ein Aufruf an die politischen Entscheidungsträger, eine fundierte, wissenschaftlich gestützte Ernährungspolitik zu verfolgen, die gleichzeitig mit den Nachhaltigkeitszielen übereinstimmt ohne die Qualität der Ernährung zu beeinträchtigen. Indem die Nährstoffdichte und der Verarbeitungsgrad von Lebensmitteln in den Vordergrund gestellt werden, versetzt der Rahmen die Verbraucher weltweit in die Lage, besser informierte Entscheidungen zu treffen und den Lärm der polarisierten Lebensmitteldebatten zu durchbrechen.
Häufig genutzt
Weitere Informationen über die Nährwerttabelle: https://www.nourish-yourchoice.org/blog-details/introducing-the-nourishment-table-a-balanced-framework-for-adequate-and-sustainable-nutrition
Über Nourish – Your Choice
Nourish – Your Choice ist die wissenschaftliche Plattform eines internationalen Netzwerks von über 1200 multidisziplinären Wissenschaftlern. Sie dient zum Austausch untereinander und zur Sammlung und Bereitstellung evidenzbasierter, wissenschaftlicher Erkenntnisse rund um die menschliche Ernährung und ihr wichtigstes Fundament: die Nutztiere. www.nourish-yourchoice.com
Nourish – Your Choice Schweiz fokussiert sich auf den Standort Schweiz. Das bedeutet, dass die wissenschaftlichen Inhalte auf die spezifischen lokalen Gegebenheiten angewendet werden. So wird zur Sensibilisierung der interessierten Öffentlichkeit sowie von Entscheidungsträgern aus Politik und Wirtschaft beigetragen. Die Basis bilden dabei stets die Prinzipien der Wissenschaftlichkeit: Objektivität, Überprüfbarkeit, Transparenz, offenes, kritisches und unvoreingenommenes Denken. https://www.nourish-yourchoice.org/ch
Über CarnaLibertas
Der Verein CarnaLibertas wurde 2019 vor dem Hintergrund stark zunehmender Bevormundungstendenzen im Ernährungsbereich gegründet. Der Verein wehrt sich gegen jegliche Bevormundungsversuche von Behörden und fanatischen Minderheiten, die der Bevölkerung vorschreiben wollen, wie sie sich zu ernähren hat. Unter dem Motto „Hände weg von unseren Tellern – Freie Wahl für alle“ setzt sich CarnaLibertas für den verantwortungsvollen Genuss von Fleisch- und Fleischprodukten und für die Wahlfreiheit aller bei der Gestaltung des persönlichen Speiseplans ein. www.carnalibertas.ch